So wars wohl damals angekündigt:
“Dreckige Gschichten ab 15. April ‘99 wieder in Wien! Die erfolgreichste Produktion der freien Theaterszene ist ein Einakter in der Badewanne nach Texten von Charles Bukowski. Der Einakter ist eine theatrale Auseinandersetzung mit deem literarischen Werk des Dichters und Schriftstellers Charles Bukowski, die einerseits amüsiert, und andererseits auch betroffen macht: ein Alkoholiker in der Badewanne begibt sich auf eine Reise durch sein verstecktes Ich…
Veranstaltungsort ist die öffentliche Bedürfnisanstalt am Graben, 1, Am Graben bei der Pestsäule, was die Inszenierung noch gelungener macht…” [Quelle ]
Ich war damals zufällig in Wien, und da ich vorher schon von diesen Toiletten gehört hatte, musste ich mir diese erstmal angucken.
Am Herrenklo hing ein fast unscheinbarr Zettel, dass ein Theaterstück aufgeführt werden würde. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Die Damentoiletten waren zur Garderobe umfunktioniert, die stilechte Klofrau nahm gegen ein paar Schillinge (tjaja, damals gabs den €uro noch nicht
) die Jacken an. Eine Kabine war noch zur Benutzung frei.
Dann ging es rüber zu den “Herren”.
Das Pissoir, ein nicht zu kleiner, rundum gefliester Raum, rechts und links an den Wänden die historischen Urinale, alles sauber, durchdringender Klosteingestank.
An der Stirnwand ein Podest, darauf eine gefüllte Badewanne.
Der ganze Raum mit Bierbänken zugestellt, ich saß links außen, neben mir ein diekt ein Urinal.
Der Schauspieler trat auf, setzte sich vollbekleidet in die Wanne und rezitierte eineinhalb Stunden Bukowsky.
Sehr gut, sehr authentisch. Er planschte und rezitierte, lallte und wirkte generell ziemlich authentisch.
Bis heute ist mir nicht klar, ob er ein verdammt guter Schauspieler war oder wirklich betrunken war.
Fürs Betrunkensein spräche, dass er die ganze lange Zeit kein einziges Mal warmes Wasser nachlaufen ließ und gleich zu beginn des Stückes die ein oder andere Dose Bier trank, wobei er zwar viel in die Wanne laufen ließ, aber sicherlich der ein oder andere Schluck auch getrunken wurde.
War ein sehr intressantes Ereignis, zudem noch in den für mich sonst unzugänglichen Räumen des Jugendstilpissoirs…
Ich kann leider momentan die Bilder der Toiletten (hab eh nur schlechte, und dann aus der Damentoilette) nicht finden, vielleicht reich ich die mal nach… von daher ist der Eintrag mal ohne Bild…
Aber eine kleine Beschreibung, um sich ein besseres Bild machen zu können, gibt es hier